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Urtica Urens  Brennnessel

Erstarrte Strukturen in deiner Seele

und deinem Körper dynamisch aufbrechen.

Der lateinische Name Urtica bedeutet «das Brennende». Die Donnernessel, Haarnessel, Seuznessel, Tissel, Zingel oder Hanfnessel wächst überall in der Nähe menschlicher Behausung.

 

Wenn der Schnee verschwindet und die warmen Frühlingswinde Wärme in den Boden bringen, dann regt sich manches Leben wieder im Schoss der Mutter Erde. An sonnigen Hängen, früheren Schutthalden und Wegböschungen sprossen die grünen, fein gesägten Blatträndchen der Brennnesseln hervor. Niemand achtet auf sie.

Still und schlicht mischen sie ihre Säfte und bereitet eine Medizin, die vielen Menschen zur Gesuchtheit und sogar als Lebensretter dienen könnte. Wenn sie es nur wüssten und anwende würden. Wie manchem Lungenkranken wäre im Davoser Tale nicht erbleicht, wenn er beizeiten zur verachteten Brennnessel gegangen und bei ihr um Hilfe gesucht hatte. Bei manchem Kinde würden seine wachsbackigen, bleichen Bäckchen wieder ein leuchtendes Rot bekommen, wenn die Eltern wüssten, welch wunderbares Säftlein die Brennnessel bereithält.

Es gibt kein Kraut das ihre gleichkommt bei Blutarmut, Bleichsucht, Rachitis und Skrofulosos (Atemwegsinfekt mit Schwellung der Lymphknoten).

Nicht umsonst hat ihr die Natur das schützende, brennende Mäntelchen gegeben, denn ohne dies kämen wir sicherlich nicht dazu, ihre Heilkräfte in Anspruch zu nehmen, da die Tiere alles wegfressen würden.

 

Kleine Härchen, sogenannte Brennhaare, an der Pflanze sorgen für die schmerzenden Quaddeln auf unserer Haut. Wenn wir die Nessel berühren, brechen die Köpfchen der Härchen und geben eine Flüssigkeit ab. Diese besteht aus Histamin, Ameisensäure, Acetylcholin, Natriumformiat und Serotonin. Bei Kontakt mit der Haut entstehen Quaddeln. Der Signaturlehre zu Folge wäre die Brennnessel auch bei Hautausschlägen, Allergien und nesselsuchtartigen Hautkrankheiten das angezeigte Mittel. Es wird überliefert, nach in Brennnesseln zu laufen, würde sogar verlorene Manneskraft zurückbringen.

Das sexuelle Feuer wird entfacht.

Brennnesselsamen sind die Stars unter den heimischen Aphrodisiaka, Sie blicken auf mehr als 2000 Jahre erfolgreicher Anwendungsgeschichte zurück und können sich mit Recht rühmen, bis heute noch immer einen guten Ruf als Phythoerotika zu haben. Dass sie gesund sind, bezeugt jeder, warum sie erotisierender als andere Pflanzen wirken, kann nicht einmal die Wissenschaft eindeutig erklären. Die Choristen der Geschichte überbieten sich darin, ihre Vorzüge anzupreisen. So auch der Arzt Fuchs, der im Spätmittelalter die sündige Brennnessel wie folgt beschreibt: «Der sam auss süssem wein getrunken, reitzet zur unkeüscheyt, unn eröffnet muter»

Dieser Wein ist nicht ein Tonikum für die Sexualkräfte, sondern auch ein erprobtes Mittel, um die Lebenskräfte in Allgemeinen zu stärken.

 

Bestimme dein Tempo.

Erforsche deinen Körper, sei lust- und liebevoll mit dir Selbst.

 

Die Brennnessel enthält viel Kalk (Kalzium und Magnesium), Phosphor, Eisen, Calcium, Vitamin A, Vitamin C, B-Vitamine, Kalium, Natrium und was speziell wichtig ist, sie gehört zudem seltenen Pflanzen, die viel Vitamin D enthalten. Dieses Vitamin ist vor allem für die Bildung von Konchen sowie zu Assimilation (Angeleichung damit der Körper sie nutzen kann) des Nahrungkalkes wichtig. Die Samen, regelmässig genossen, füllen den Mineralstoffspeicher wieder auf. Die Einnahme von rohen Brennnesseln (als Saft oder Brei) bewirkt rasche und zuverlässige Unterstützung bei Rachitis. Sie wirkt hautreizend, blutdrucksenkend, blutreinigend und stärkend. Sie ist die richtige Wahl zur Ausleitung und Entgiftung über die Niere, Wechselstoffkrankheiten wie, Rheuma, Gicht, Durchspülungstherapie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege, bei Nierengriess und bei allgemeinen Erschöpfungszuständen und Frühjahrsmüdigkeit.

 

 

Lass nicht zu, dass dir irgendjemand etwas vorgibt. Alles was wir uns antun, oder was uns angetan wurde, verursacht Schmerzen, spaltet unsere Energie ab, macht hart und gefühllos.

 

Was brennt dich aus?

 

Hast du dich zu lange zurückgenommen und bist nun wütend, weil du es nicht schaffst, in deinen Lebensrhythmus zu tanzen?

 

Aggression wird meistens mit einer negativen, zerstörerischen Aktivität in Verbindung gebracht. Doch Aggression, im ursprünglichen, positiven Sinn verstanden, beseitigt Hindernisse, damit sich neue Aktivität entfalten kann. Aggression leitet sich ab vom lateinischen Wort «Aggredi» und bedeutet angehen. Sie entfernt das Alte, Verbrauchte, Kraftlose, Überfällige und schafft dadurch Raum für Neues. Aggression und schöpferische Tätigkeit gehören untrennbar zusammen. So unterstützt uns die grosse Urtica Urens bei Erkrankungen der Atemorgane, um Abgetanes abzuhusten und unterstützt die Lymphdrüsen beim Ausschwemmen von Abgestandenem.

 

Brennnessel bringt dich wieder in Fluss. Sie schwemmt Traumen, Gifte und alte Ablagerungen aus. Sie stärkt die Niere und ist in der Lage, das Blut zu bilden und es zu reinigen, dass du brauchst, um dich in deinem Takt zu bewegen.

Für deine persönliche Entwicklung und Freiheit ist es wichtig, eine positive, das dein Wesen anpackende Aggression, in der Form von Selbstbestimmung und Willen zu entwickeln, damit du die Führung im eigenen Leben übernimmst und dich nicht durch Triebe beherrschen lässt. Fehlt dir der zügelnde Wille, können behindernde Neigungen und Bindungen nicht losgelassen werden. Dies führt was zu Ansammlung von seelischen und körperlichen «Schlacken». Auf der Körperebene häufen sich aufgrund einer Fehlernährung (üppig eiweissreich) Schlacken (Harnsäure) im Blut an, und es kommt dadurch zu einer Einschränkung der Bewegungsfreiheit (rheumatische und gichtartige Beschwerden). Hier hilft dir die Brennnessel mit ihrer Aggression, indem sie die Möglichkeit schafft, erstarrte Strukturen in deiner Seele und deinem Körper dynamisch aufzubrechen.

Der Legende nach pflanzten die Römer Brennnesseln entlang der Wege, weil die Brennnessel die Moral einer Truppe zu heben und die Soldaten zu stärken vermochte, auch wenn der Nachschub ausblieb.

 

Hättest du gedacht, dass man das Verräuchern der Brennnessel schon in der Antike kannte? Es gibt bis heute erhaltene Texte, die dies belegen. Die Germanen machten mit der Brennnessel Schutzräucherungen, vor allem gegen Unwetter. Die Brennnessel war dementsprechend dem Gott Donar geweiht. Das Verräuchern des Krautes zählt zu den ur-europäischen Traditionen. Man nutzte die Brennnessel auch zum Färben und als Quelle für die Fasern für das Nesseltuch. So erzählt das Märchen vom Rockenweibchen, dass durch das Weben der Brennnessel, einem armen Mädchen zur Heirat seiner grossen Liebe verhalf.

Die Brennnessel wird dem Mars und dem männlichen Geschlecht zugeordnet und gilt seit jeher als Fluchbrecher. Es heisst, wenn man sie in einem Beutelchen trägt, schützen sie nicht nur für Flüchen, sondern senden diese sogar an ihre Urheber zurück. Räuchern kann man mit dem Kraut, der Wurzel, aber auch mit den Samen, entweder als Einzelräucherung oder in einer Räuchermischung. Brennnessel-Räucherungen entfalten einen angenehmen würzig-aromatischen Duft, helfen beim Loslassen, schützen und bringen Energien wieder in Schwung, fördern die Abwehrkräfte. Ebenfalls zu empfehlen, ist eine Räucherung mit Brennnessel bei Liebesritualen.

Das Salzkraut

Als die Schildbürger ihr Ratshaus hatten, kamen sie jeden Tag zusammen, um sich zu beraten. Sie beschossen, von allem einen Vorrat anzulegen, damit sie in den Zeiten de not genug hätten. In Kriegszeiten wurde vor allem Salz knapp und so wollten sie vor allem davon genug haben. «Der Zucker wächst auf dem Acker, so muss das Salz doch auch auf dem Feld wachsen. Das Salz sieht doch aus wie ein Samenkorn.», meinte einer der Schildbürger.

Die anderen nicken eifrig, und ein anderer sprach: «Lasst uns ein grosses Stück Acker vorbereiten und das Salz säen, so können wir bald eigenes Salz ernten!» Begeistert stimmten alle zu, und schon am nächsten Tag wurde ein schönes Stück Gemeindeland umgepflügt, geeggt und das Salz in Salz in Gottes Namen ausgesät.

Um die wertvolle Saat zu behüten, stellten sie an allen vier Ecken des Feldes Hüter mit langen Vogelrohren auf, damit die Vögel die Saat nicht wegpickten.

Nicht lange, und es begann zu spriessen und zu grünen auf dem Feld. Darüber herrschte grosse Freude bei den Schildbürgern. Sie gingen jeden Tag auf das Feld, und jeder sagt er würde das Sal wachsen hören.

Je höher das Salzkraut wuchs, umso grösser war die Hoffnung auf eine reichliche Ernte. Zu den vier Hütern setzten sie noch einen Wächter ein. Der sollte Tiere davonscheuchen, die das wertvolle Kraut wegfressen könnten - besonders die frechen Ziegen. Dieser versprach, jedes gefrässige Tier mit Stossen Treiben, Jagen, Schlagen und Zwicken zu vertreiben.

Niemand weiss, wie es kam, dass der Wächter nicht bemerkte, wie allerlei Vieh auf den Acker kam, und begann, von dem wertvollen Salzkraut zu fressen. Das der Wächter das Salzkraut nicht zertreten wollte, lief er aufgeregt zum Ratshaus, um den Schaden zu melden.

Dort wurde lange beraten, wie man die schwierige Sache lösen könnte. Am Ende sagten sie: «Lasst uns zu viert den Wächter durch das Salzkraut tragen. So zertritt er das wertvolle Kraut nicht und kann die Tiere verjagen.» Begeistert stimmten alle zu. So wurde der Wächter über das Feld getragen, die Tiere davongescheucht und das Salzkraut gerettet.

Inzwischen wuchs das Kraut immer höher und wartete darauf, dass man die zahlreichen Salzkörner ernten könnte. Nur, wie sollte man wissen, ob es schon reif war? Da begab es sich, dass einer der Schildbürger überlegte, dass ein wenig Mist helfen könnte, damit das Salzkraut schneller reife. Es war Kirschenzeit, und wie alle anderen hatte er reichlich Kirschen genascht, die nun in seinem Bauch rumpelten und bald unten hinauswollten. Der Mann ging also zum Salzacker, hockte sich hin, um den Dünger ins Feld zu lassen und nahm ein wenig Salzkraut, um sich den Hintern abzuputzen. Aber hui! – Das brannte an seinem Hintern, dass er wie von der Wespe gestochen vom Acker weg in die Stadt rannte, die grosse Glocke läutete und rief: «Das Salzkraut ist reif, das Salzkraut ist reif, es brennt schon auf der Haut!»

Sogleich sprangen die Schildbürger auf, um ihr Salz zu ernten. Mit Sicheln, Wagen und Pferden zogen sie zum Salzacker, um das Salzkraut zu ernten und mancher sah sich schon als mächtiger Salzherr.

Doch als sie in das hochgewachsene Kraut ergriffen und es schneiden wollten, brannte es so schrecklich auf de Haut, dass sie die Sensen und Sicheln fallen liessen und schreiend davonsprangen. Dabei brannte das Salzkraut auch an den Beinen, so dass sie so schnell sie konnten in die Stadt rannten über und über mit roten Pusten bedeckt. Noch lange später konnte man die Bürger von Schilda jammern hören. Am Salz mangelte es ihnen nur erst recht, denn was nicht schon aufgegessen war, hatten sie auf den Acker gesät. Warum das Salzkraut so brannte, errieten sie nicht, obwohl doch jeder von uns nun weiss, dass es Brennnesseln waren, die unter der Obhut der Schildbürger auf dem Salzacker so prächtig gewachsen waren.

 

 

Literaturnachweis

Wildes Weiber Wissen / Katharina Waibel

Der kleine Doktor / A. Vogel

xceranis.de

raeucherwelt.ch

drugcom.de

pflanzliche Urtinkturen / Roger & Hildegard Kalbermatten

Pflanzenmärchen aus aller Welt / Djamila Jaenike

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