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Oninis Spinosa  Hauhechel

Lass die anderen neidisch sein,

auf dich und deine schützenden Dornen.

Wer dich erkennt, findet einen angenehmen Weg zu dir.

Die niederliegende Pflanze wächst auf kalthaltigen, trockenen Wiesen, Heiden und an Waldrändern. Du kannst die jungen Triebe von April bis Mai sammeln. Im Herbst, wo die Säfte sich zurückziehen kannst du dich an den Wurzeln versuchen.

Schon bei den alten Griechen und Römern hatte die Hauhechel den Ruf, die Nieren zu heilen. Weil Esel dieses Kraut fressen, haben die Griechen die Pflanze Eselskraut (Oninis) genannt. Der Esel ist das einzige Tier, das diese Pflanze verzehrt. Sie wurde Quäldron, «Weiberkrieg», Remora Arati (Pfluganhalter), Ochsensperre und Kuhschweiss genannt. Die die tief wurzelnden zähen Stängel und das dornige Grün den Frauen beim Unkrautjäten schwer zu schaffen machten. Die Bauern gruben die weit die in den Boden reichende Hauhechelwurzel vor dem Pflügen mit einem alten Bauernmesser, der Haue, mühsam aus, weil sie fürchteten, ihren Pflug an den kräftigen langen Wurzeln zu beschädigen und die Ochsen und Kühe, die den Pflug zogen, durch die haltenden Wurzeln besonders ins Schwitzen gerieten. Der Hülsenfrüchtler bekam seinen Namen wegen der Dornen. Eine Hechel ist ein Stachelwerkzeug zu Durchziehen (Hecheln) von Faserpflanzen wie Flachs oder Hanf.

Bis heute wird sie zur Förderung der Harnausscheidung bei Blasen- und Nierenbeckenkatarrhen und zur Vorbeugung von Harnsteinen verwendet, in der Volksmedizin auch zur Blutreinigung bei Frühjahrs- und Entschlackungskuren.

Die Hauhechel zeigt dir, dass du sehr wohl Dornen und Stachel, Ecken und Kanten haben kannst. Sei tief verwurzelt. So kannst du aufblühen und dein Gegenüber anziehen. Deine feinen rasa Blüten werden den Richtigen auf dich zuflattern lassen.

Die rosaroten, hellvioletten Blüten, die im Juli, August in den Blattachsen der Hauhechel erscheinen, muten an wie kleine Schmetterlinge, die auf einem Dornenbusch gelandet sind. Typisch Schmetterlingsblütlerin. Auffallend die dunkelrötlich geaderte «Fahne», dass hinter, grösste Blütenkronblatt, das wie ein Wirtshausschild den Insekten zum Imbiss lockt. Wenn sie ankommen, stehen sie vor einer verschlossenen Tür. Landen sie, dann drückt ihr Gewicht die «Flügel» - das sind die zwei kleineren seitlichen, helleren Blütenkronblätter – und das mit ihnen verbundene «Schiffchen» - der Spitzauslaufende Kiel, bestehend aus zwei Kronblättern – auseinander, und, Simsalabim, die Tür öffnet sich. Wenn das Insekt fortfliegt, schliesst sich das Schiffchen wieder.

 

Deine Spitzen Stachel kümmern mich nicht,

was bist du doch so schön.

Fröhlich lacht dein hübsch’ Gesicht,

bunte Fahnen lässt du wehen.

Doch für die Bauern bist ein Schreck,

den Ochsenpflug bringst du zum Stehen,

den Frauen zupfst du an dem Rock,

sie mögen’s nicht, dich zu sehen,

treiben sie regelrecht zu Wut,

doch wenn sie nicht mehr seichen können,

ist deine Wurzel ihnen recht und gut.

 

Neben dem Esel hat sich eine Raupe auf die Pflanze spezialisiert. Wen der fertige Hauhechelbläuling stahlt in Hellblau und ist die genaue Komplementärfarbe zu hellen Rosa der Blüte. Als Gegenpol zu rosfarbenen Blütenpracht hat der Hauhechel kräftige Wurzeln, die einen halben Meter in die Erden reichen. Diese sitzen Knollenbakterien, die den Stickstoff aus der Luft fixieren. So tragen sie also zur Fruchtbarkeit im Boden bei.

Wer hechelt über dich?

 

Folge dem Fluss deines Weges. Sei ganz dich und lass dich nicht vom Ärger, den du damit bei anderen auslöst davon abbringen. Sie sind nur neidisch, weil du dich traust wehrhaft zu sein. Wer auf dich zukommt, dem wirst du willkommen heissen. In deinen Wurzeln liegt das Gute, dass der Gemeinschaft hilft zu wachsen.

 

Finde die Kraft in deinen Dornen.

 

Die Dornen haben mit der Heilkraft der Pflanze zu tun. Jeder Dorn ist ein zurückgehaltener, nicht entfalteter Zweig, jeder Stachel ein zurückgehaltenes Blatt. Im Heilmittel – als Wurzelabkochung – werden sie dann freigesetzt. Sie bewegen und regen den menschlichen Leib, der vor allem mit dem Flüssigkeitshaushalt zu tun hat. Daher vermag die Hauhechel, wässrige Stauungen aufzulösen und die Ausscheidung anzuregen.

 

Literaturangaben

Parxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde / Ursel Bührin

Die Seele der Pflanzen / Wolf-Dieter Storl

Grosses Kräuter- und Gewürzbuch / Heinz Görz

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