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Lammas

am 8. Vollmond nach der Wintersonnenwende

Lammas, Lugnasad oder das Schnitterfest, wird zu Beginn der Ernte, im August gefeiert.

Ein Fest der Dankbarkeit, der Fülle und der Reife.

Es wird nun absehbar,

wie viel und was geerntet werden kann.

Die im Frühling geplanten Projekte sollten jetzt

Früchte tragen, es beginnt das Loslassen.

 

Das Schnitterfest liegt im Jahreskreis gegenüber von Lichtmess. Jetzt wird das Licht spürbar weniger – die liebensspendende Natur des Sommers geht über zu Sterben und Tod. Die erste Ernte wird eigefahren, Ernten bedeutet immer auch sterben. Ernten ist harte Arbeit, hat mit Schmerzen und mit Blut zu tun. Schlachten gehört ebenfalls zur Ernteenergie. Ein Lebewesen, ob Pflanze oder Tier, muss sterben, damit wir überleben können. Bartholomäus 24. August wird mit einem Messer in der Hand dargestellt und er ist der Patron der Bauern, der Winzer, der Hirten, der Gerber und Metzger und auch der Öl- und Kornhändler – die Attribute eines Schnittergottes? „Ich zeig der, wo der Bartli der Moscht hold“ Ich zeige dir wie es geht, was dich erwartet. Ich zeige dir, wo es lang geht. Überzeugt sein, dass die Frucht aufgeht. Auch noch warten können, nicht alles sofort haben müssen.

 

Gehörst du zu den Glücklichen, die warten gelernt haben in ihrer Kindheit?

Kannst du die Vorfreude geniessen?

Oder musst du jetzt mühsam warten lernen?

Dich selbst in den Arm nehmen und warten lernen?

 

Nichts lässt uns so gut reifen, wie das Warten, das vertrauensvolle Warten. Mit Vertrauen darauf, dass du mit der Zeit doch noch alles bekommst und dass du überleben wirst , in Fülle und Schönheit.

 

Mit dem Triebwunsch verhält es sich wie mit den Kinderkrankheiten, als Kind sind sie gut zu überstehen, als Erwachsene leiden wir furchtbar daran.  – lerne warten und werde gesund!

 

Du kannst nur ernten, was du gesät hast. Hast du die Samen sorgfältig gewählt?

 

Wir feiern ein erstes Erntedankfest am 15. August, Maria Himmelfahrt, Kräuterweihe, Beginn der Frauendreissiger (Beginn der intensiven Heilpflanzensammeltage 15. August bis zum 15. September). Denke beim Sammeln immer daran, dass die Pflanzen dir ihre Heilkraft zur Verfügung stellen. Eine Haltung der Achtsamkeit und der Dankbarkeit ist beim Heilpflanzensammeln angebracht. Achtlos zusammengeraffter Tee hilft nicht viel und schadet der Natur. Ausbeuten bedeutet dich aus. Tee ist ein Heilmittel und es genügt eine Tasse zur Not zu trinken, für den Durst benötigt der Mensch Wasser.

 

Feiere dieses Fest des Warten - der Geduld und der Dankbarkeit mit kräftigem rotem Wein (in grossen Kelchen) und mit Wildfleisch, mit den ersten Beeren, Holunder, Brombeeren und Heidelbeeren und den ersten Äpfeln, backe wieder einmal Brot und lade Menschen dazu ein, die mit dir warten können.

Ein alt überlieferter Kräutersegen:

Damit wurden und werden die zur Kirche gebrachten Kräuterbüschel geweiht.

 

Allmächtiger Gott der Menschen,

Urheber allen Heils und alles Gesundheit

Du Arzt für Leib und Seele,

in unerforschlicher Weisheit.

Hast du eine Fülle von Pflanzen

Als heilbringende Medizin für die Kranken geschaffen.

Wir bitten dich,

erfülle diese Kräuter, die du erschaffen hast, mit deinem Segen,

und jedem Kranken, der sie braucht.

Seien sie Arznei für den Leib und Kraft für die Seele,

auf das der dir Krank abstatte.

Und alle Geister loben dich allmächtiger Schöpfer.

 

Freya, die Göttin aus dem Geschlecht der Wanen, gilt als wunderschöne und allwissende Verkörperung des Schosses der Mutter Erde. Sie wacht über die Liebe und die Sinnlichkeit genauso wie über Schönheit, Fruchtbarkeit, die Gezeiten und das Meer. Als Bewahrerin allen Wissens und Hüterin der heiligen Gewässer hat sie die Macht, Leben zu schenken. Gleichsam nimmt sie die Seelen der Verstorbenen in sich auf, um diese wiedergebären zu können. Freya nimmt eine zentrale Rolle im Rhythmus des Lebens ein. Sie ist ebenso Göttin der Geburt wie des Todes, sie gibt Leben und nimmt es. So wird sie zur Todesgöttin, die auf einem von Waldkatzen gezogenen Streitwagen auf dem Schlachtfeld die Hälfte der Gefallenen für sich auswählt.

 

Freya gilt auch als Göttin der Liebe, der Erotik und der Magie. Sie ist die Freie Frau, die Sich alle Recht nimmt und ihr Leben selbstbestimmt lebt. Ihre Freude ist der Massstab ihres Handelns und es gibt nichts, wegen dem sie sich rechtfertigen würde. Sie gilt als Beschützerin aller freien Frauen und unterstützt diese, ihre sinnlichen und sexuellen Begierden zu leben. So sehr sie sich auch mit anderen Wesen und Göttern vergnügt, ihr Göttergatte Odin bekommt das Wichtigste, das sie zu geben hat. All ihre Weisheit und Macht. In ihrem uralten Wissen, das aus den Tiefen der Seele entspringt, schwingt Lust, Sinnlichkeit und Magie mit.

 

Was sexuelle Aktivitäten betrifft, wird damals wie heute mit zweierlei Mass gemessen. Was bei Männern toleriert wird, gilt bei Frauen immer noch „liederlicher Lebenswandel“

 

Jetzt im Spätsommer, im frühen Herbst bist du fähig, ganz genau zu sehen, wo deine Freude ist. Bei allem Vergnügen war für Freya immer klar, wo ihre Feuer brennt. Ihre Ehe und ihre Kinder schützte sie. Für sie war sie verantwortlich. Wirst du um dein Glück betrogen? Ist das Betrogene der Täter? Du bist für dein Glück verantwortlich.

 

Zu Beginn der Erntezeit lernen wir warten und planen, abwägen, was wichtiger ist. Nicht mehr die schnelle Triebbefriedigung steht im Vordergrund. Sondern das Glück aller, für die du Verantwortung übernommen hast. Du musst genau abwägen, gut prüfen, was es zu ernten gibt und wer dir dabei helfen kann. Wer sollte unbedingt dabei sein? Wer trägt zum Glück und zur Harmonie bei? Wer ist stark und ausdauernd. Genug? Wer ist sensibel genau, um das wertvolle Gewachsene auch genauso wertvoll zu behandeln? Bei unsachgemässer Ernte kann die Arbeit eines ganzen Sommer zunichte gemacht werden. Alles Ernten geht mit dieser Anspannung einher. Vieles kann dabei schiefgehen. Beschämung und Erniedrigungen passieren in solchen sensiblen Erntephasen. Und wer kann danach gut mitfeiern?

 

Feste feiern gehört zum Ernten dazu, vor allem tiefe Dankbarkeit und tiefe Freude. Freude darüber, dass es geschafft ist, auch wenn die Ernte nicht ganz so ausgefallen ist wie erhofft. Das Würdigen der Leistung, unabhängig vom Ergebnis, ist jetzt notwendig.

 

Jede Zensur ist eine Erntephase. Erfolge feiern und Misserfolge hinnehmen können und Dankbarkeit für das, was doch geworden ist, kennzeichnen einen Menschen mit beginnender, herbstlicher Reife. Übernimm die Verantwortung für das von dir Gesäte, Gepflegt und durch dich Gewordene.

 

 

Wildes Weiber Wissen / Katharina Waibel

Wilde Weiber Wünsche / Katharina Waibel

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