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Viola Odorata  Veilchen

Das erste Veilchen im Frühjahr gegessen – erhält die Schönheit für das kommende Jahr.

Der lateinische Name des Veilchens, „Viola odorata“, ist bzgl. des Gattungsbezeichnung vom griechischen „ion = Veilchen“ abgeleitet. Auch die Farbenbezeichnung Violett hat hier ihre Wurzel. Der Beiname „odoratum“, aus dem Lateinischen, bedeutet „wohlriechend, duftend“ und weist auf den Wohlgeruch hin. Die deutsche Bezeichnung „Veilchen“ stammt über das altdeutsche „fiol“ von „Viola“ ab.

Das wohlriechende Veilchen (ist ein Vertreter der Veilchengewächse. Weitere Namen sind Duftveilchen, Heckenveilchen, Marienstengel, Märzveilchen, Öeschen, Osterchen, Osterveigerl, Märzenveilchen und Schwalbenblume.

Das vielbesungene Märzveilchen – kurz Veilchen oder weniger kurz Märzwohlgeruchblume genannt – treibt flach kriechende Wurzelkranken, hat wurzelständige, langstielige, herzförmige Blätter und ist mit seinen dunkelblauen, angenehm riechend Blüten jedermann vertraut. Es wächst bevorzugt in schattigen Laubwäldern und unter Gebüschen im größten Teil Europas sowie im Nahen Osten bis Mittelasien. Ursprünglich trat es im Mittelmeergebiet sowie in den atlantischen Randgebieten Europas auf, von wo es sich ausbreitete. Als Gartenpflanze ist es mittlerweile auf sämtliche Erdteile verbreitet. Es blüt von März bis Mai. Die Heilkraft des Veilchens war in der Antike sehr geschätzt, sei es wegen seiner Wirkung gegen Alkohol, zur Besänftigung von Ärger oder, wie bei Dioskurides (griech. Arzt im 1. Jh. n. Chr.) erwähnt, als breiige Auflage bei Gastritis.

Als Heilpflanze wird ebenfalls das Alpenstiefmütterchen, auch Langsporniges Veilchen genannt, genutzt. Es ist im alpinen Raum auf Wiesen und Weiden mit kalkfreien oder kalkarmen Böden in Höhenlagen zwischen 1600 und 2400 m anzutreffen. Auffallend sind seine großen, 3-4 cm im Durchmesser, leuchtend bis tiefvioletten Blüten mit hellgelben Saftmalen. Dessen Blütezeit ist von Juni bis Oktober.

Bis ins Mittelalter besaß es einen hohen Stellenwert. Hildegard von Bingen weist in ihren Schriften noch auf die gute Wirkung von Veilchenzubereitungen hin. Dort wird es bei „Feurigen Augen“, „Dreitägigem Fieber“, Sehstörungen und Augentrübungen angepriesen. Anschließend geriet das wohlriechende Veilchen jedoch in Vergessenheit. Erst im 19. Jh. wurde es von Sebastian Kneipp aus der Versenkung geholt, der sie bei Husten und generell bei respiratorischen Erkrankungen einsetzte.

Sowohl die Wurzel- als auch die Krautdroge enthalten Saponine – pflanzliche Stoffe mit seifenähnlicher Wirkung. Hoch ist der Gehalt an Vitamin C und in der Wurzeldroge ist Gaultherin, ein Salicylsäure- Zucker zu finden. Die Blüten des Veilchens enthalten neben Salicylsäurekomponenten, Schleimstoffen und ätherischem Öl noch Flavonoide (pflanzliche Farbstoffe, u.a. Anthocyane).

Aufgrund der Saponine liegt eine schleimlösende und auswurffördernde sowie antimikrobielle Wirkung vor. Nachgewiesen wurde für Krautextrakte ein fiebersenkender Effekt. Für Teezubereitungen wird eine schweißfördernde Wirkung angenommen.

Veilchenwurzel ist ein brauchbares Mittel zum Abhusten. Sie zeigt ein ähnliches, jedoch schwächeres Wirkprofil als die Primel. Die Droge kann bei chronischer Bronchitis, am besten in Teemischungen, verwendet wird. Es wird ein lindernder Effekt bei Halsentzündungen, aber auch bei Keuchhusten sowie Bronchitiden mit festsitzendem Schleim postuliert. Die Krautdroge weist in etwa die dieselben Indikationen auf.

Bei Hautkrankheiten kann die Wurzeldroge innerlich sowie äußerlich zur Hautwaschung eingesetzt werden.

In der Volksmedizin wird die Wurzeldroge auch bei Rheuma der kleinen Gelenke sowie nervöser Überreizung und Schlaflosigkeit angewendet. Sebastian Kneipp empfahl einen Absud in Essigwasser für Umschläge bei Podagra (Gichtanfall am Großzehengrundgelenk). Im Altertum wurden die Blüten gegen die Folgewirkungen von Alkohol verabreicht.

Das Veilchen ist ein Bote des Frühlings. Mit viel Glück findet man schon eines im März. Verzehrt man es, soll es einen, wie man im Volksglauben annahm, das ganze Jahr über vor „kaltem Fieber“ schützen. Noch wirkungsvoller war es wenn man 3 Veilchen verspeiste. Derjenige, der das Veilchen als erster entdeckte konnte sich etwas wünschen, was im darauffolgenden Jahr in Erfüllung gehen würde.

Wie alle Pflanzen, die unmittelbar nach der kalten Jahreszeit blühen, verheißt das Veilchen Jugend und Hoffnung. Verbunden war es naheliegender Weise auch mit Liebesdingen.

Das Veilchen galt als ein Symbol für die Liebe.

Selbst Vulcanus, der Schmied unter den Göttern und Gott des Feuers – er war von verkrüppelter Gestalt und galt als wenig attraktiv im Pantheon der Götter -, der sich vergebens in die schöne Venus verliebte, wurde erhört, nachdem er sich mit Veilchen bekränzte. Aphrodite, Göttin der Liebe, wurde auch die „Veilchenbekränzte“ oder die „Veilchenhaarige“ genannt.

Im Griechenland der Antike existierten ganze Veilchengärten. Mit dem Duft der Veilchen hoffte man die Damen zu betören und so manche „Widerspenstige“ williger zu machen. Verbunden mit dem Veilchen war ebenfalls das Bild der Unschuld bzw. der Jungfräulichkeit. Beispielsweise bestreute man sowohl das Lager der Braut, als auch den Sarg der Jungfrau mit duftenden Veilchen.

Das Veilchen galt (in der griechischen Mythologie) aber auch als Pflanze der Persephone, der Herrscherin der Unterwelt: „Das Veilchen der Proserpina“, dessen dunkles Gewand es als Sinnbild der Trauer und des Todes kennzeichnet, und die Grabhügel schmückte. Deutlich ist hier der Bezug zum Jenseits gegeben, zu einer Zeit in der das Leben noch ruht, noch nicht in Erscheinung getreten ist.

Im christlichen Kontext wurde das Veilchen im Mittelalter zu Maria in Beziehung gesetzt, die in geistlichen Liedern als „Veilchen der Demut“ gepriesen wurde. Es blüht im Verborgenen. Das Bild der Demut hat sich im Volk bis in die heutige Zeit erhalten. In manchen Poesiealben ist zu finden: „ Sei wie das Veilchen im Moose, bescheiden, sittsam und still und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert sein will“. Das Veilchen war die Blume der Demut und Bescheidenheit.

Das Veilchen wirkt blutdrucksenkend, blutreinigend und vor allem bekannt mit seiner hautpflegenden Wirkung.

Die Schönheit pflegen, kosmische Ordnung. Kosmetik – das Herstellen der kosmischen Ordnung.

Das erste Veilchen im Frühjahr gegessen – erhält die Schönheit für das kommende Jahr.

Empfindest du die Schönheitspflege als heilige Handlung?

Pflege deine Schönheit. Schau in den Spiegel, im Licht der Frühlingssonne bist du schön, jeder Mensch hat die Schönheit, die göttliche Ordnung in sich.

Bist du dir deiner Schönheit bewusst?

Erlaubst du dir, schön zu sein?

Lebst du deine eigene lebendige Schönheit?

Oder unterwirrst du dich

einem gesellschaftlich diktierenden Schönheitsideal?

 

 

Ob auf der Haut, als Gaumenfreude oder bei Husten. Das geschichtsträchtige Blümchen ist nicht nur eine Augenweide.

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Literaturnachweis

Wildes Weiber Wissen / Katharine Waibel

grosses Kräuter- und Gewürzbuch / Heinz Görz

Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunden / Ursel Bühring

www.kneippianum.de

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